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poetin

  1. meine hände zu einem boot flechten, damit übersetzen zu euch, was in mir keine worte findet.
  2. ein wiesenschaumkraut bin ich, wie wir alle eines sind, und unsagbar schön bei mutig näherem besehen.
  3. manchmal brauche ich, abseits von dir zu wandern, abseits von mir. dann sehe ich alles klar in jedem stein und kann bleiben in dieser welt.
  4. "komm, sei mir gut", sage ich. du streichst mir eine strähne aus dem gesicht und alle fragen meiner welt finden ruhe in deiner geste.
  5. ganz so, als ob es ein geheimnis gewebt aus luft sei oder eher aus etwas viel feinerem, das dem stofflichen bereich zu entsagen wagte.
  6. thymianhänge, meine schritte staubgesäumten fußes. ginstere blausterngefleckt meinwärts, raste in rehmulden, es dürstet mich nicht mehr.
  7. mit blaubeerverschmiertem mund am steg. zwei paar wippende beine überm see, südafrika lag noch vor unserem ersten kuss und viel zu weit.
  8. ich lecke das salz von meiner haut, gewürzregen bin ich und kühle schauer hinterlasse ich dort, wo deine wanderschaft einst begann.
  9. in meinem haar ein nest. komm, bette dich darin, ruh aus vom tag. morgen dann, ganz früh, flieg mir davon, ich will mich schlafend stellen.
  10. legt zwischen die lippen euch ein blütenblatt. es mag wohl die küsse euch zärtlicher tauschen lassen und alles harte wort still aufnehmen.
  11. da steh ich nun, allüberall in apfelblütenringen, meine bande sind flüchtigkeit und gespinst. ein lachen in den augen, ich breite die arme.
  12. so danke ich dir, mutter, und so danke ich dir, vater. es war ja alles nur ein traum, nicht meiner. und schaut nur, ich träume jetzt selbst.
  13. verzeihen will keine macht über den, dem es gilt. verzeihen ist ein verstehen, das nicht alles duldet, aber der liebe zum leben anheim ist.
  14. da meine gedanken die welt erschaffen, wie sie war und ist und sein wird, kann es genauso gut so gewesen sein, wie ich mir wache und träume.
  15. mit 4 jahren erfand ich mich als prinzessin irikisei aus bengalen. mit 11 erfuhr ich, der vater meines vaters ist unbekannt. wer weiß schon?
  16. barfuß auf unbefestigten straßen hüpfte ich neben pferdewagen. hinter den hügeln aber blieb nur die kleine decke aus durchbrochener spitze.
  17. ich sehe mich aufwachsen dort, dir kosenamen geben, mejn yiddishe mamme, und bänder durch die luft streifen und lachen zum spiel, zum spiel.
  18. hügel träum ich mir so grün und bunte häuser, halbverfallene, in täler geschmiegt. ich spreche eine sprache, die mir fremdvertraut gleicht.
  19. manchmal frage ich mich, ob der bauernhof meiner uroma in siebenbürgen noch existiert. wer dort nun lebt und wie.